{"id":114,"date":"2012-03-05T10:49:16","date_gmt":"2012-03-05T09:49:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tian-xia.de\/?p=114"},"modified":"2012-03-06T20:35:37","modified_gmt":"2012-03-06T19:35:37","slug":"flug-zum-futter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.tian-xia.de\/?p=114","title":{"rendered":"Flug zum Futter"},"content":{"rendered":"<p>Es dauert nicht mehr lange, und die ersten Zugv\u00f6gel treffen wieder ein und k\u00fcnden: Der Fr\u00fchling ist da. Doch so manches, was wir noch in der Schule \u00fcber den Zug der V\u00f6gel gelernt haben, stellt sich im Licht neuer Forschungen anders da.<!--more--><\/p>\n<p>Erstaunlich sind die Leistungen der kleinen Federb\u00e4lle allemal.\u00a0Etwa 50 Milliarden V\u00f6gel gehen jedes Jahr auf Wanderschaft. Praktisch in jedem Monat des Jahres ist irgendwo auf dem Planeten Zugzeit, und die Routen \u00fcberdecken fast alle Gebiete von Nord- und S\u00fcdhalbkugel. Viele europ\u00e4ische und zentralasiatische Arten \u00fcberwintern in Afrika, andere Asiaten zieht es nach Indien oder Ceylon. V\u00f6gel des Fernen Osten \u00fcberwintern gern in Malaysia oder\u00a0 erreichen sogar Australien oder Madagaskar. Und die nordamerikanischen V\u00f6gel fliegen meist entlang Ost- oder Westk\u00fcste in den S\u00fcden oder folgen dem Lauf des Mississippi.<\/p>\n<p>Doch warum ziehen manche unserer Vogelarten \u00fcberhaupt gen S\u00fcden? Die einfache Antwort &#8222;Weil es hier zu kalt ist im Winter?&#8220; trifft die Sache nicht wirklich. Denn zahlreiche Arten \u00fcberwintern hier erfolgreich. Eher kommt man der richtigen Antwort auf die Spur, wenn man sich das Verhalten der Buchfinken und Amseln ansieht. Hier ziehen vor allem die Weibchen in s\u00fcdlichere Gefilde, die M\u00e4nnchen bleiben hier. (Deshalb tr\u00e4gt der Buchfink auch den wissenschaftlichen Artnamen Fringilla coelebs; das Wort coelebs ist mit Z\u00f6libat, also Ehelosigkeit, verwandt)<\/p>\n<p>Der Grund daf\u00fcr hat im Wesentlichen mit der Nahrung zu tun: Sie brauchen vor allem Energie, und die k\u00f6nnen sie aus Beeren und K\u00f6rnerfutter in gen\u00fcgendem Ma\u00dfe gewinnen. So sind sie rechtzeitig zur Stelle, wenn es nach Ankunft der Weibchen um das Verteilen der Brutreviere geht. Die Weibchen aber sollen dann Eier legen, und daf\u00fcr brauchen sie vor allem eiwei\u00dfreiches Futter, etwa Insekten. Und die k\u00f6nnen hierzulande nur wenige spezialisierte Vogelarten in ihren Verstecken finden. Manche V\u00f6gel freilich k\u00f6nnen, wie etwa die kleinen Meisen, mit den relativ geringen Proteinmengen in der verf\u00fcgbaren Nahrung auskommen.<\/p>\n<p>Ein zweiter verbreiteter Irrtum: Die europ\u00e4ischen\u00a0Zugv\u00f6gel seien bei uns heimisch und w\u00fcrden nur vor\u00fcbergehend warme Gebiete aufsuchen. Inzwischen haben Forschungen ergeben, dass es genau umgekehrt ist. Die meisten europ\u00e4ischen V\u00f6gel haben mehr verwandte Arten in tropischen oder subtropischen Gebieten. Wenn sie gen Norden fliegen, folgen sie viel eher der allgemeinen Tendenz in der Natur, m\u00f6glichst jede verf\u00fcgbare Nahrungsressource auszunutzen.<\/p>\n<p>Warum bleiben sie dann nicht einfach in den warmen Zonen? Die Tropen haben im Vergleich zu unseren Sommern durchaus auch Nachteile als Brutgebiete: Jeder Tag hat sie hier 12 Stunden Tageslicht. In unseren Sommertagen dagegen k\u00f6nnen sie bis zu 20 Stunden, je nach Breitengrad, mit Reviergesang und Nahrungssuche verbringen. Zudem ist bei uns die Zahl an Insekten (nicht die Artenzahl) in dieser Zeit viel h\u00f6her. Sie sind auch besser bek\u00f6mmlich: In den Tropen nehmen viele Arten Gifte aus Pflanzen auf, um ungenie\u00dfbar zu werden. Die Folge: In unseren Regionen wachsen die Jungv\u00f6gel weit rascher heran als in den Tropen, auch sind die Gelege meist deutlich gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<div id=\"attachment_117\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.meduco.de\/htdocs\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Wasser.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-117\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-117\" title=\"Wasser\" src=\"http:\/\/www.meduco.de\/htdocs\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Wasser-300x224.jpg\" alt=\"Wasserfall\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"http:\/\/www.meduco.de\/htdocs\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Wasser-300x224.jpg 300w, http:\/\/www.meduco.de\/htdocs\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Wasser-400x300.jpg 400w, http:\/\/www.meduco.de\/htdocs\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Wasser.jpg 695w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-117\" class=\"wp-caption-text\">Wasser und sonnige Wiesen: Hier summen im Sommer unz\u00e4hlige Insekten und bilden eine gute Nahrungsgrundlage f\u00fcr V\u00f6gel<\/p><\/div>\n<p>Au\u00dferdem gibt es weniger Konkurrenz und weniger Feinde f\u00fcr das Gelege (wie etwa Baumschlangen oder Nester pl\u00fcndernde S\u00e4uger). Auch die Tatsache, dass alle V\u00f6gel ungef\u00e4hr gleichzeitig br\u00fcten, verringert den Feinddruck aufs einzelne Gelege.<\/p>\n<p>Daher lohnt sich f\u00fcr viele Arten der anstrengende Flug in die nahrungsreichen Brutreviere im Norden. Das ist eben der gro\u00dfe Vorteil, den die V\u00f6gel gegen\u00fcber den S\u00e4ugern haben: Zwar ist der Flug anstrengend, aber daf\u00fcr k\u00f6nnen sie auch vergleichsweise einfach die jeweils besten Regionen aufsuchen.<\/p>\n<p>Rekordhalter ist nach derzeitigem Kenntnisstand \u00fcbrigens die K\u00fcstenseeschwalbe: Sie legt zwischen den Brutgebieten in den n\u00f6rdlichen Polarregionen und den \u00dcberwinterungsregionen nahe der antarktische j\u00e4hrlich rund 30 000 Kilometer zur\u00fcck. Einzelne Exemplare, das haben \u00dcberwachungen von mit Sendern ausgestatteten V\u00f6geln per Satellit ergeben, schaffen sogar 80 000 Kilometer pro Jahr \u00a0\u2013 das entspricht einer Flugstrecke zweimal rund um den \u00c4quator!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es dauert nicht mehr lange, und die ersten Zugv\u00f6gel treffen wieder ein und k\u00fcnden: Der Fr\u00fchling ist da. 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