{"id":128,"date":"2012-03-06T20:01:31","date_gmt":"2012-03-06T19:01:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tian-xia.de\/?p=128"},"modified":"2012-03-06T20:01:31","modified_gmt":"2012-03-06T19:01:31","slug":"welteroberer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.tian-xia.de\/?p=128","title":{"rendered":"Welteroberer"},"content":{"rendered":"<p>Nicht nur der Mensch hat sich die Erde erobert \u2013 auch andere Tiere sind zu solchen Leistungen in der Lage. Ein aktuelles Beispiel ist eine aus Argentinien stammende, besonders angriffslustige Ameisenart (<em>Linepithema humile<\/em>). Sie\u00a0hat sich inzwischen auf f\u00fcnf Kontinenten eingenistet.<\/p>\n<p><!--more--> Am Mittelmeer haben die nur etwa 3 Millimeter gro\u00dfen Insekten (K\u00f6nigin bis 5 Millimeter) in den letzten Jahrzehnten\u00a0die wohl\u00a0gr\u00f6\u00dfte Ameisenkolonie der Erde gegr\u00fcndet. Diese &#8222;Superkolonie&#8220; besteht aus Millionen von Nestern, die sich \u00fcber\u00a06000 Kilometer entlang der Mittelmeerk\u00fcste erstrecken. Zugute kommt der Argentinischen Ameise dabei die Gewohnheit, in neu besiedelten Gebieten Kolonien mit mehreren K\u00f6niginnen zu bilden. Sie k\u00f6nnen sich daher \u00fcber gro\u00dfe Fl\u00e4chen ausdehnen und tun das nicht nur in Europa, sondern auch zum Beispiel an der S\u00fcdk\u00fcste Australiens \u00fcber Hunderte von Kilometer. Das geschieht, indem in der N\u00e4he eines alten Nestes ein weiteres gegr\u00fcndet wird. So kann sich die Art im Durchschnitt um 150 Meter pro Jahr ausbreiten.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass die Argentinische Ameise zu den weltweit gef\u00e4hrlichsten Neueinwanderern gerechnet wird. Freilich ist sie nicht frostfest \u2013 das bremst ihre Ausbreitung zumindest in k\u00fchlere Regionen.<\/p>\n<p>Die Tiere, die sich in S\u00fcdeuropa ausgebreitet haben, stammen von Einwanderern ab, die vor 80 Jahren\u00a0per Schiff nach Europa kamen. Sie alle verstehen sich offenbar als gro\u00dfe\u00a0Familie. Bringt man n\u00e4mlich Tiere aus verschiedenen Gebieten\u00a0zusammen, greifen sie einander nicht an \u2013 sie merken ihre enge Verwandtschaft. Ein Grund daf\u00fcr ist der sogenannte Gr\u00fcndereffekt: Die ganze gro\u00dfe Kolonie stammt von nur ganz wenigen Tieren ab, n\u00e4mlich den wenigen eingeschleppten Exemplaren. Die Kolonie-Mitglieder \u00e4hneln sich daher genetisch sehr stark und riechen das auch. Ganz anders in ihrer Heimat \u2013 da sind die genetischen Unterschiede zwischen den Kolonien viel gr\u00f6\u00dfer, so dass sie sich gegenseitig in Schach halten.<\/p>\n<p>Andere Arten, besonders andere Ameisen, greifen sie aber sehr wohl an. Amerikanische Forscher haben k\u00fcrzlich ihre Strategie erforscht. Zuerst attackieren sie\u00a0sehr intensiv alle anderen Ameisenarten und verzehren die Tiere. Es dauert dabei nicht lange, und sie haben diese Arten kr\u00e4ftig zur\u00fcckgedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>In diesem Stadium aber variieren sie ihre Strategie: Jetzt \u00fcbernehmen sie die Nahrungsressourcen der heimischen Ameisen, besonders die Stellen, wo Blattl\u00e4use s\u00fc\u00dfen, energiereichen Honigtau produzieren. Auf diese Energie sind die Ameisen angewiesen. Der Verlust dieser Nahrungsquelle dr\u00e4ngt also die einheimischen Arten noch weiter zur\u00fcck. Im amerikanischen Ryce Canyon hatten sie auf diese Weise binnen weniger Jahre die Zahl der einheimischen Ameisenarten von 23 auf zwei verringert. Und auch in S\u00fcdeuropa sind ihr bereits rund 90 Prozent der einheimischen Arten zum Opfer gefallen.<\/p>\n<p>Die Verdr\u00e4ngung heimischer Arten durch die aggressiven Einwanderer ist ein gro\u00dfes Problem: Die Argentinische Ameise kann ganze \u00d6kosysteme ver\u00e4ndern \u2013 zum Beispiel, wenn sie heimische Insekten dezimiert, die wichtige Rollen im Naturhaushalt \u00fcbernahmen, etwa als Best\u00e4uber.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht nur der Mensch hat sich die Erde erobert \u2013 auch andere Tiere sind zu solchen Leistungen in der Lage. Ein aktuelles Beispiel ist eine aus Argentinien stammende, besonders angriffslustige Ameisenart (Linepithema humile). 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